Prostitution

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Die nachfolgende Position zur Prostitution von CID | Fraen und Gender ist Ausdruck unseres feministischen Ansatzes. Wir maßen uns nicht an, die Interessen aller betroffenen Prostituierten zu vertreten und erkennen ausdrücklich die spezifische Sachkenntnis von Organisationen und Institutionen an, deren Arbeit in der Betreuung und Begleitung von Menschen in der Prostitution besteht.

CID geht davon aus, dass weder ein Verbot noch die Liberalisierung der Prostitution die Situation der Prostituierten grundsätzlich verbessern wird. Stattdessen ist es wichtig, sich mit den zugrunde liegenden Fragen zu Sexualität, Gewalt, Erziehung und Ausbeutungs-verhältnissen zu beschäftigen.

CID betrachtet Prostitution als einen Ausdruck von patriarchaler Herrschaftsstruktur und als Ausdruck sexueller Ausbeutung. Die sich hier manifestierende sexualisierte Machtausübung findet aber auch außerhalb von Prostitution statt.

Für CID grenzt sich Prostitution klar ab von einer Sexualität, die auf Gegenseitigkeit und Einvernehmen zwischen den beiden Partner_innen beruht.

Prostitution als Ausbeutung und sexualisierte Machtausübung

Im heutigen, neoliberalen Wirtschaftssystem, in dem alles zur Ware wird, prekäre Arbeitsverhältnisse sich rasant ausbreiten, weltweit die extreme Ausbeutung der Menschen zunimmt, Menschenrechte und also auch Frauenrechte missachtet und soziale Errungenschaften abgebaut werden, kommt es auch zur Ausweitung aller Formen der Prostitution und zur Verschlimmerung der Situation der meist weiblichen Prostituierten. Die Ausbeutung manifestiert sich ebenfalls in den unglaublichen Gewinnen, die in der Sexindustrie erzielt werden und nicht an die Prostituierten, sondern an Profiteure aus dem meist kriminellen Umfeld fließen.

Sexarbeit findet oft in ausbeuterischen Verhältnissen und unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen statt; sie ist eng mit dem Menschenhandel verknüpft. Bestehende Rechte werden den Betroffenen vorenthalten, Schutzbestimmungen werden nicht eingehalten.

Es gibt über die Prostitution hinaus zahllose andere menschenverachtende Arbeitssituationen, gegen die ebenfalls mit der nötigen Energie und Konsequenz vorgegangen werden muss, aber die Formen von Gewalt und von Menschenverachtung, die in der Prostitution stattfinden, überschreiten das Ausmaß von Gewalt in anderen ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. Die Gefahr, Gewalt in der Prostitution zu erfahren, steigt proportional zur Notsituation (schwache ökonomische Lage, unsicherer oder illegaler Aufenthaltsstatus, etc.), in der sich die/der Prostituierte befindet.

Nur wenn es ausreichend korrekt bezahlte Erwerbsmöglichkeiten für Frauen geben wird, kann dem Frauenhandel und dem Sexsektor der Nährboden entzogen werden.

Gleichwohl betrachtet eine kleine Minderheit Prostitution als ihre bewusste Wahl. Diese Menschen haben das Recht darauf, nicht auf einen Opferstatus reduziert zu werden, durch den sie noch stärker stigmatisiert und in ihrem berechtigten Mitgestaltungsanspruch geschwächt werden.

Legalisieren oder verbieten? Jede Form von sexualisierter Machtausübung ist eine Verletzung von Menschenrechten. Deshalb lehnt CID Prostitution ab.

Der Ruf danach, Prostitution zu verbieten, spiegelt den Wunsch, sexualisierte Machtausübung zu bannen. Das Verbot von Prostitution oder das Verbot sexuelle Dienstleistungen zu erwerben, führt laut Befürworter_innen zu einer verbesserten Situation der Frauen und zu einer egalitären Geschlechterbeziehung. Gegner_innen weisen auf die Gefahr zusätzlicher Stigmatisierung und Diskriminierung der Prostituierten sowie auf die Verlagerung der Prostitution in unkontrollierbare Bereiche und Grauzonen hin. Eine Legalisierung ohne umfassende, staatliche Reglementierung und Kontrolle führt ebenfalls zu keiner Verbesserung der Situation der Prostituierten.

CID unterstreicht das Recht aller Menschen auf Sexualität; das gilt auch für ältere Menschen oder Personen mit Behinderungen, deren Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Für uns ist jedoch klar: niemand hat ein Recht auf die unmittelbare Befriedigung einer sexuellen Begierde durch eine andere Person, auch nicht gegen Bezahlung.

Insbesondere Männer, als die größte Gruppe der Konsumenten sexueller Dienstleistungen, müssen sich ihrer Rolle und ihrer Verantwortung bewusst werden. Das heißt: Prostitution nicht verharmlosen oder zu ihrer Verharmlosung beitragen, keine Duldungskultur unter Männern aufrechterhalten, Zivilcourage zeigen und als Zeuge vor Gericht aussagen.

CID fordert, dass Pornographie und sexualisierte Machtausübung nicht banalisiert werden. Sexualisierte Gewalt muss auch dann verurteilt und bekämpft werden, wenn sie in Beziehungen stattfindet.

CID fordert eine enttabuisierte gesellschaftliche Debatte über Sexualität und sexuelle Bedürfnisse, über Sexualverhalten und über die Thematik des Körpers als Ware.

Wir verlangen die konsequente und umfassende Umsetzung des schulischen Aktionsplans Sexualerziehung, bei der Respekt, Verantwortung, Menschenwürde und die Gleichstellung der Geschlechter im Mittelpunkt stehen müssen.

Keine Stigmatisierung von Prostituierten, sondern Wahrung ihrer Menschenrechte, Hilfe beim Ausstieg und Schutz vor kriminellen Machenschaften

Da Prostitution nicht von heute auf Morgen verschwindet, unterstützt CID zum aktuellen Zeitpunkt den Kampf gegen die Ausbeutung von Frauen und Männern in der Prostitution und begrüßt es, dass Prostituierte selbst aktiv werden und sich selbst organisieren.

In Solidarität mit den Prostituierten verlangt CID die uneingeschränkte Wahrung ihrer Menschenrechte sowie die Gewährung einer Gesundheits- und Sozialversorgung. Wir fordern, dass Prostituierten ausreichende Strukturen (Schutz- und Aufenthaltsräume) zur Verfügung stehen, in denen sie Beistand erfahren und dass sie darin unterstützt werden, selbst für ihre Rechte einzutreten.

CID verlangt, dass leicht zugängige Ausstiegsprogramme angeboten und umgesetzt werden, die zuvor in Zusammenarbeit mit den Betroffenen ausgearbeitet wurden. Diese Angebote sollen bedürfnisorientiert sein und müssen mit ausreichend Mitteln und Kompetenzen ausgestattet werden.

CID verlangt, dass die Kriminalität in der Prostitutionsindustrie (Zwangsprostitution und Menschenhandel, Wuchermieten, Rückgriff auf Praktiken, die den Tatbestand von sexuellem Missbrauch erfüllen, …) konsequent bekämpft wird. Dazu muss der Staat die nötigen Mittel und qualifiziertes Personal bereitstellen. Frauen, die Opfer von Sexhandel geworden sind, müssen durch die erleichterte Gewährung des Aufenthaltsrechtes und einer Arbeitserlaubnis geschützt und unterstützt werden.

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