Laurie Penny – Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution

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(ck) Die 1986 in London geborene Laurie Penny ist Bloggerin, schreibt für renommierte Zeitschriften und veröffentlichte 2011 ihr Buch „Fleischmarkt“. Regelmäßig berichtet sie über Protestbewegungen und soziale Initiativen. Sie ist eine militante Feministin, ehrlich, selbstkritisch und kennt keine Tabus. Sie meint nicht den salonfähigen Feminismus, der niemandem weh tut und nichts in Frage stellt. „Ziel des Feminismus ist ja nicht nur, dass sich Frauen und Männer emanzipieren, sondern dass sich alle Menschen aus der Zwangsjacke geschlechtsspezifischer Unterdrückung befreien.“

In ihrer neuen „Flugschrift“ zeigt sie, dass die Aufteilung nach Geschlecht für viele verheerend ist, vor allem für transsexuelle, transgender, genderqueer oder intersexuelle Menschen. Auch die Männer, die kein Geld und keine Macht haben – und das sind bei der aktuellen Wirtschaftskrise sehr viele – kommen mit der klassischen Männlichkeitsvorstellung nicht klar, denn Verlierer sind keine richtigen Männer. Statt dem Feminismus die Schuld zu geben, müssen Männer erkennen, dass auch sie dadurch zu gewinnen haben, wenn sie sich von der alten einengenden Vorstellung von Männlichkeit distanzieren. Das fällt vielen nicht leicht und die Leidtragenden sind weiterhin die Frauen.

Das von der Gesellschaft geprägte Bild, wie eine Frau zu sein hat, ist unerbittlich und nicht zu erreichen. Eine Frau muss schön und dünn sein, wofür sie harte Arbeit und Geld investieren muss, die dritte Schicht neben der Berufstätigkeit und der Kindererziehung und Hausarbeit. Sie muss verführerisch und sexy aussehen, darf aber nicht selbst sexuell aktiv werden, dann gilt sie als Schlampe. Frauen sind immer noch in erster Linie sexuelle Objekte und selbst schuld, wenn sie belästigt und vergewaltigt werden, da sie Männer durch ihre Kleidung und ihr Auftreten provoziert haben. Anstatt die Schuld für die Vergewaltigung endlich den Männern zu geben, erwartet die Gesellschaft weiterhin von Frauen ihre Freiheit einzuschränken, um bloß kein Risiko einzugehen.

Auch im Internet ist der Sexismus und der Frauenhass omnipräsent, die Internetaktivistin und Bloggerin L. Penny wurde schon oft Opfer von Attacken und Drohungen. Frauen sollen gesehen, aber nicht gehört werden und sich bloß nicht zu wichtig nehmen. Penny meint, dass mit dem Frauenhass in öffentlichen Online-Räumen endlich aufgeräumt werden muss.

Insgesamt müssen Frauen Schluss machen damit, das brave Mädchen zu sein, das nur bei Wohlverhalten mit Liebe belohnt wird. Wenn sie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit wollen, müssen sie meutern, auch wenn der angedrohte Liebesentzug hart ist und Angst macht. Nur wenn die „geschlechtsspezifische“ Unterdrückung nicht mehr existiert, können Frauen und Männer gemeinsam die vom Neoliberalismus aufgezwungenen Machtverhältnisse in Frage stellen. Und dafür brauchen wir den Feminismus.

(Edition Nautilus 2015, 283 Seiten)

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