Lydia Davis: Kanns nicht und wills nicht. Stories

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(ke) Was für eine attraktive Sammlung aus Kurzprosa und gedichtähnlichen Texten!  Die US-amerikanische Schriftstellerin Lydia Davis ist eine geniale Beobachterin, die aus Alltagssituationen – in oft nur ein paar Zeilen – das Wesentliche herauskristallisiert. Sie skizziert Reiseerfahrungen,  Restaurantbesuche, literarische Reflektionen, befremdliche oder traurige Familiengeschichten, nachbarschaftliche Verwicklungen oder nur aus der Distanz beobachtete Straßenszenen. Manche Texte bleiben ironisch distanziert, wie die verschiedenen Beschwerdebriefe, andere rücken sehr nahe, so die Auseinandersetzung mit dem Tod ihrer Schwester. Nichts ist selbstverständlich, vielmehr scheint jeder Begebenheit die Frage zugrunde zu liegen: „Was machen die da? Was mache ich da?“ Neben diversen Listen zu Befindlichkeiten, Abneigungen, Haustieren oder zusammengeschnittenen Nachrufen, gibt es immer wieder kurze „Traum-Stücke“, die teilweise Briefen und Erzählungen von Freunden entlehnt sind. Als weiteres wiederkehrendes Element hat Davis „Geschichten von Flaubert“ eingefügt. Die kurzen, aus Briefen des Autors extrahierten Passagen weisen Flaubert und Davis als wahlverwandt aus, was das Erkennen und Versprachlichen von seltsamen Situationen angeht.

Die „Stories“, wie es im Untertitel heißt, liest man weniger, als dass man ihnen begegnet, von ihnen in eigene Gedanken abschweift oder ihnen – wenn auch nur selten – die Gefolgschaft verweigert.

Die 1947 in Massachusetts geborene Schriftstellerin ist außerdem eine berühmte französische Übersetzerin (u. a. von Flaubert, Foucault und Proust) und sie unterrichtet  „Creative Writing“ an der State University of New York in Albany im Bundesstaat New York. 2013 erhielt Lydia Davis den renommierten englischen Man Booker International Prize, mit dem auch schon die kanadische Nobelpreisträgerin Alice Munro ausgezeichnet wurde.

(Droschl 2014, 300 Seiten)

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