Paula (27), Mutter einer einjährigen Tochter

Alleinerziehend in LuxemburgKommentare deaktiviert für Paula (27), Mutter einer einjährigen Tochter

Paula (27), Mutter einer einjährigen Tochter

Als ich meinen Freund vor zwei Jahren kennenlernte, glaubte ich mich im siebten Himmel. Doch leider entpuppte sich das als Alptraum. Als ich zu meinem Freund in die Wohnung zog hat er sich plötzlich total verändert. Er ist bei jeder Kleinigkeit ausgerastet und hat auch vor Schlägen nicht Halt gemacht. Aufgrund der psychischen Belastung kam es auf meiner Arbeit häufig zu Fehlzeiten, bis ich schließlich entlassen wurde. Durch eine Freundin fand ich den Weg zum Beratungsdienst Visavi von Femmes en détresse. Die Begleitung hat mir geholfen nicht durchzudrehen, aber erst nach einer Vergewaltigung, durch die ich schwanger wurde, fand ich die Kraft meinen Freund zu verlassen. Ich wollte auf keinen Fall, dass mein Kind inmitten von Gewalt aufwachsen muss.

Ich hatte Glück und bekam einen Platz im Frauenhaus. Zu meinen Eltern besteht kein Kontakt und die wenigen Freundinnen, die mir trotz der Isolation durch meinen Ex-Freund geblieben sind, leben selbst in Einzimmerwohnungen zur Miete und konnten mich nicht aufnehmen. Im Frauenhaus wurde ich mental und finanziell soweit unterstützt, dass ich mir nach und nach wieder ein eigenes Leben aufbauen konnte. Die Sozialarbeiterin half mir bei der Jobsuche – eine Sache der Unmöglichkeit als schwangere Frau. Aufgrund der katastrophalen Wohnungsmarktsituation in Luxemburg musste ich länger im Frauenhaus bleiben, als gewollt. Als meine Tochter 3 Monate alt war wurde uns durch großes Glück eine Sozialwohnung zur Verfügung gestellt. Vor Kurzem habe ich auch eine Arbeit gefunden, meine Tochter ist nun tagsüber in der Kindertagesstätte. So habe ich mir meine Familienplanung nicht vorgestellt, als alleinerziehende Mutter, die unterhalb der Armutsgrenze lebt und auf Hilfe von außen angewiesen ist.

Durch das Frauenhaus habe ich auch die Kraft gefunden, meinen Ex-Freund bei der Polizei, wegen physischer und sexualisierter Gewalt, anzuzeigen. Leider weiß ich von Bekannten, dass nun ein langer, psychisch belastender Weg auf mich wartet. Teilweise dauert es Jahre bis es zum Prozess kommt. In dieser Zeit lebt mein Ex-Freund auf freiem Fuß und es gibt keine Garantie, dass es zu einer Verurteilung kommt. Aber mir hilft es zu wissen, dass ich mich für Gerechtigkeit einsetze.

 

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