Interview Sonja Kmec zu Beitrag in Buch Frauen | Gender in Luxemburg

Publikationen - KulturNewsKommentare deaktiviert für Interview Sonja Kmec zu Beitrag in Buch Frauen | Gender in Luxemburg

(DR) Im CID-Kulturbereich läuft die Arbeit am BuchprSonja Kmecojekt zur Frauen- und Gendergeschichte in Luxemburg auf Hochtouren. Wir haben jetzt im Oktober die hocherfreuliche Nachricht erhalten, dass das Projekt finanziell von der Œuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte unterstützt wird ! Wir sind nun in der Lage, einen Verlagsvertrag zu unterzeichnen. Seit Mai ist das Lektoratsteam, das aus Germaine Goetzinger, Sonja Kmec, Jeanne Peiffer, Renée Wagener und Danielle Roster besteht, eifrig am Lesen der bereits fertiggestellten Texte. Das Buch soll 28 Beiträge zu den Themenbereichen Alltag, Bildung, Feminismus, Geschlechterdiversität, Sexualität, Politik, Medien, Literatur, Film, Musik und Tanz, sowie einem historischen Fokus auf Frauen im Zweiten Weltkrieg werfen. Illustriert wird das Buch u.a. durch Fotoporträts von Véronique Kolber. Wie bereits in den vorigen zwei Nummern des Expli Cid geben ausgewählte AutorInnen in Mini-Interviews Einblicke in ihre Themen. Hier ein Interview mit Sonja Kmec zu ihrem Artikel „Männlichkeit im Wandel – neue Definitionen, alte Reflexe“, geführt von Fanny Thill.

FT: In ihrem Beitrag analysieren Sie, wie „Männlichkeit“ in Luxemburg ab dem dem Zweiten Weltkrieg dargestellt wird. Genauer gesagt gehen Sie der Frage nach, wie verschiedene Männlichkeitsbilder sich im Laufe der Zeit gewandelt haben. Welche verschiedene Männlichkeitsbilder gab es denn, beziehungsweise gibt es heute in Luxemburg?

SK: Im Gegensatz zu den anderen europäischen Gesellschaften gab es in Luxemburg kaum das Männlichkeitsbild des wehrhaften, pflichtbewussten, mutigen, körperlich starken Mannes. Das Ausbleiben dieses Männlichkeitsbildes kann man zum einen durch die nicht vorhandene Wehrpflicht vor 1945 und zum anderen durch die schlechten Erinnerungen, die die Luxemburger von den deutschen Besatzungsmächten im Ersten und Zweiten Weltkrieg hatten, erklären. Nichtdestotrotz kann man ein tugendhaftes, (selbst)diszipliniertes und obrigkeitshöriges Männlichkeitsbild bei den luxemburgischen Pfandfindern vorfinden. Hier steht die Forschung aber noch ganz am Anfang, so dass ich nicht näher auf dieses Bild eingehen werde. Im weiteren Verlauf meines Beitrages analysiere ich noch andere Männlichkeitsbilder. Angefangen bei der Vorstellung des „strengen aber gerechten“ Familienvaters. Dieses Bild des „sozialen Menschen“ wurde vor allem durch die luxemburgische Kathoulesch Männeraktioun (KMA) propagiert.

Mit dem Wandel der Arbeitswelt im späten 20. Jahrhundert entsteht ein neuer Typus des Arbeitnehmers und somit auch ein neues Männlichkeitsbild. Dieses ist gezeichnet durch das unternehmerische, risikobereite und ehrgeizige Selbst. Es ist zu bemerken, dass es nicht per se männlich ist, sondern auf beide Geschlechter übertragen werden kann. Darum habe ich mich dazu entschlossen in meinem Beitrag eine Fallstudie des luxemburgischen Businessmagazins Paperjam durchzuführen. Ich habe die bildlichen Darstellungen der Wirtschaftsakteure und -akteurinnen statistisch erfasst und ausgewertet. Um es vorab zu sagen, es wurden nicht nur zahlenmäßig viel mehr Männer als Frauen abgebildet, sondern ihnen auch jeweils mehr Platz zugestanden. Interessanterweise kann man einen „Bruch“ in den Darstellungen der Männlichkeitsbilder nach der Finanzkrise von 2008 erkennen. Wurden vor der Finanzkrise noch Qualitäten, wie Effizienzsteigerung und Profitmaximierung, Wettbewerbsfähigkeit, kämpferische Durchsetzungsfähigkeit und Mut zum Risiko hochgepriesen, rückten diese nach 2008 mehr in den Hintergrund. Man versuchte dieses Bild, das auf traditionell männlich definierten Eigenschaften beruhte, ‚aufzuweichen’. In diesem Sinne beruhen die heutigen Darstellungen auf einem weniger aggressiven Kapitalismus; unterstrichen wird vielmehr die Seriosität und Stabilität der Finanzwelt. So vermitteln zum Beispiel Werbungen von Banken ein verantwortungsvolles, gerechtes und familienfreundliches Bild des Mannes.

FT: Würden sie sagen, dass es ein Männlichkeitsbild gibt, das dominanter als andere ist?

SK: Nein, das würde ich nicht behaupten. Es gibt eine Vielfältigkeit von Männlichkeitsbilder, die sich manchmal widersprechen oder ergänzen. Des Weiteren entstehen laufend neue Männlichkeitsbilder in allen Bereichen der Gesellschaft, wie zum Beispiel das des Sportlers oder des Hipsters.

Das Interview führte Fanny Thill

© 2016 CID Fraen an Gender a.s.b.l. All rights reserved. Webdesign: bakform/youtag