#14: Bist Du feige, Willi Wiberg?

Zielgruppe

Kinder von 4– 10 Jahren

Thema

Selbstbehauptung, Stereotype in Frage stellen, Sich-Prügeln, Mobbing und Gruppendruck, toxische Männlichkeit

Zeitaufwand

Eine Doppelstunde (…oder mehr)

Beschreibung

Diese pädagogische Idee beruht auf dem im CID entleihbaren Bilderbuch
Bist du feige, Willi Wiberg? von Gunilla Bergström (Oetinger Verlag 1987, ca. 28 Seiten ; CID Signatur: ML 0 BER1) ; die schöne Kurzbeschreibung und Einordung der Geschichte findet sich auf der Literaturliste: Kinderwelten ; https://situationsansatz.de/wp-content/uploads/2023/01/Buecher-fuer-Kinder-von-3-bis-6-Jahren.pdf Seite 90, die noch viele weitere empfehlenswerte diskriminierungskritische Bücher enthält).

Die Geschichte und eine kurze Einordnung

“Der sechsjährige Willi Wiberg mag sich nicht prügeln und tut das auch nicht. Wenn jemand mit ihm kämpfen will, gibt er einfach von Anfang an auf. Da sagen die anderen Kinder über ihn, dass er wohl nicht stark sei. Tatsächlich hat Willi aber sehr viel Kraft: er kann zum Beispiel ganz schwere Tüten tragen und Zweige durchbrechen wie nix. Zusätzlich setzt ihn sein Vater unter Druck: ‚Man muss sich verteidigen können.‘ Und Oma ist der Meinung, dass man immer lieb sein soll. Ist Willi feige?

Als dann im Kindergarten ein paar neue Kinder Willi angreifen, die gern streiten und raufen, zeigt er große Stärke: er gibt zu, dass er Angst hat sich zu prügeln. Für diesen Mut zu sagen, was er wirklich denkt und fühlt, bekommt Willi große Anerkennung von allen Kindern.

Diese Geschichte greift auf, was für Kinder ganz wichtig ist: die Bewertung von Umgangsweisen – der Kinder untereinander und auch die der Erwachsenen als „Erziehende“. Was bedeutet „Stärke“ und was „Schwäche“? Lässt sich Stärke nur mit Fäusten messen oder daran, wie groß die Angst von denen ist, die bedroht oder mit verletzenden Worten drangsaliert werden? Oder kann es sogar eine „Stärke“ sein, sich verletzlich zu zeigen? Sich mit solchen Fragen und den entsprechenden Gefühlen auseinander zusetzen hat eine grundlegende Bedeutung dafür, dass Kinder lernen sowohl ihre eigene Situation zu verstehen als auch Respekt für die Situation anderer zu haben und damit die Fähigkeit zum Austausch und zur Kooperation miteinander entwickeln können. (Quelle der Kurzbeschreibung: Kinderwelten ; https://situationsansatz.de/wp-content/uploads/2023/01/Buecher-fuer-Kinder-von-3-bis-6-Jahren.pdf Seite 90)”

Ein weiterer Aspekt ist pädagogisch bemerkenswert: Prügeleien in der Schule werden meist stereotyp den Jungen zugeschrieben. Das Bilderbuch zeigt zwar mehr Jungen, die sich an den Prügeleien beteiligen, aber Mädchen sind auch abgebildet. Das ermöglicht ein sehr offenes Gespräch mit den Kindern, ohne Stereotypen wiederholen zu müssen, sofern die Kinder sie nicht selbst benennen.

Beispiele / Anregungen
  1. Das Buch ist kurz und in einfacher Sprache geschrieben. Es lässt sich vielseitig mit der Geschichte arbeiten: Vorlesen, Diskussion, szenisches Nachspielen….Das Buch kann gezielt helfen mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, wenn sich Prügeleien und Streitereien im Kindergarten, Schulumfeld oder der Familie häufen.Mögliche Diskussionsfragen, die eher anregend ins Gespräch “gefüttert” werden können. Am besten reden die Kinder in kleinen Gruppen:
    • In der Geschichte prügeln sich die Kinder auf der Straße und im Kindergarten. Die Erwachsenen gucken sich im Fernsehen Prügeleien an. Wo habt ihr schon Prügeleien mitbekommen?
    • Was macht ihr, wenn es zu einer Prügelei oder zu Streit kommt?
    • Willi hat einen Trick. Was ist sein Trick, wenn es zu einer Schlägerei kommt. Glaubt ihr, dass das klappt?
    • Warum prügeln sich manche gerne? Sind die, die gewinnen, immer die Stärkeren?
    • Die Großmutter sagt, dass Willi lieb ist, weil er sich nicht prügelt. Willi findet nicht, dass er lieb ist, “er will sich bloß nicht prügeln”. Ist es manchmal auch gut nicht lieb zu sein? Sich zu wehren? Geht das ohne Prügeln?
    • Wie wehrt sich Willi Wiberg, als die Kinder sich mit ihm prügeln wollen? Warum ist das “mutig” – so wie die Streitlustigen nachher auch zugeben?
    • Versteht Ihr den Papa von Willi? Warum sagt er, dass Willi lernen soll sich zu prügeln. Und was meint er ganz am Schluss?

    Mögliche Ergänzungen:

    1. Angeregt von den Seiten im Buch, auf denen gezeigt wird, wie stark Willi ist (Seiten 6 und 7), bzw. was es heißt, mutig zu sein (Seiten 26-28), malen die Kinder Bilder, auf denen sie stark und / oder mutig sind.
    2. Rollenspiel: Die Kinder werden Schauspieler*innen und spielen die letzte Szene im Kindergarten nach. Die Rollen:
      – die Kinder, die Willi schon kennen und wissen, dass er sich nicht prügeln will,
      – die Kinder, die sich Willi vornehmen wollen,
      – und natürlich Willi!Danach diskutieren sie darüber, wie es sich angefühlt hat. Im besten Fall werden die Rollen ein paarmal getauscht, so dass die Kinder die unterschiedlichen Perspektiven erleben können.Wenn es zuvor zu einem Streit gekommen war, können die Kinder auch daraus ein kleines Theaterstück machen und einmal probieren, ob es klappt sich nicht zu prügeln bzw. auch auf verbalen Streit zu verzichten.
    3. Die Kinder stellen Regeln auf, was passieren soll, wenn es zu Streit und Prügeleien kommt.

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