#15: Moos – auf den Spuren der Biologin Robin Wall Kimmerer

Zielgruppe

ab 7 Jahren

Thema

Wissenschaftlerinnen, Ökologie

Zeitaufwand

Minimum eine Doppelstunde; das Projekt kann aber auch über eine ganze Woche ausgedehnt werden und eignet sich für einen Kindergeburtstag, Projekttage vor den Ferien, …

Beschreibung

Robin Wall Kimmerer ist eine Professorin im Bereich Biologie und Ökologie. Kimmerer ist bekannt dafür, dass sie die moderne Biologie und traditionelle Wissenschaft zusammendenkt, erforscht und unterrichtet. Als Aktivistin engagiert sie sich für den Erhalt von Ökosystemen, für ein reflektiertes, verbündetes Zusammenleben von Mensch und Natur und für ökologische (traditionelle) Wirtschaftsweisen. Sie ist Angehörige der Citizen Potawatomi Nation, den ursprünglichen Bewohnern von Indiana, USA, die später nach Kansas, dann nach Oklahoma vertrieben wurden. Die Potawatomi geben ihr Wissen über die Generationen hinweg durch praktische Anschauung, Nachmachen, Ausprobieren, aber auch über Legenden weiter. Wall Kimmerer sagt: „Indigenes Wissen beruht auf dem Grundsatz, dass man erst etwas versteht, wenn man es mit allen vier Aspekten seiner Existenz erfasst hat: Verstand, Körper, Gefühl und Geist“ (Quelle Einleitung, xxx)

Mit Robin Wall Kimmerer entdecken die Kinder eine Forscherin, die u. a. aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Herkunft nicht den üblichen (stereotypen) Vorstellungen entspricht. Noch immer sind in den Naturwissenschaften, in der Technik, im Ingenieurswesen und in der Informatik prozentual weniger Frauen vertreten. Nicht-stereotype Vorbilder ermutigen Kinder, neugierig ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten zu erkunden.

Ein Spezialgebiet von Robin Wall Kimmerer sind Moose:

Die Kinder machen einen kleinen Ausflug rund um die Schule oder auch in einen nahegelegenen Wald.

Vorbereitung: Kündigen Sie rechtzeitig vor dem Ausflug an, dass die Kinder ein großes Glas (Gurkenglas, Einmachglas, o.ä.), sofern vorhanden eine Lupe, ein Klemmbrett und Schreibzeug mitbringen sollen. Ältere Kinder können zur Dokumentation ein Smartphone benutzen.

(Falls Sie das Projekt an einem Tag durchführen wollen, sammeln Sie schon einige Tage zuvor ein handgroßes Moospolster und trocknen Sie dieses für die Experimente)

Moose sammeln, Moos-Ausstellung
Erkunden Sie gemeinsam mit den Kindern die Umgebung der Schule und legen Sie eine Moos-Sammlung an. Erklären sie den Kindern, dass Moose eine sehr komplexe kleine Welt darstellen und dass sie sie sehr vorsichtig sammeln sollen. Es reichen pro Kind oder Kleingruppe Handteller große Stücke, die sie achtsam von ihrer Oberfläche lösen. Bei jedem Moos wird genau notiert, wo es gefunden wurde (auf Baumrinde, auf Mauern, unter Bäumen, auf der Wiese etc.), wie es sich anfühlt und wie es aussieht. Ältere Kinder dokumentieren ihre Funde nur mit dem Smartphone, ohne die Moose abzulösen. Eventuell lässt sich mit der Bildersuche (z. B. Google Lens) herausfinden, wie die Moose heißen.

Regenerationsfähigkeit der Moose zeigen (10 min.)
Material: komplett ausgetrocknetes Moos (einige Tage vorher sammeln + trocknen), kleiner Behälter, Wasser; Moose überstehen ohne Probleme völlige Austrocknung.

Wenn Sie das Moos mit Wasser tränken, verwandeln
sich Moose in kürzester Zeit von einem grauen starren Etwas in ein flauschig grünes Moospolster.

Wasserspeicherkapazität von Moosen zeigen (15 min.)
Material: trockenes Moos, [eventuell auch andere Naturmaterialien wie Gras, Blätter, Steine, …] , Behälter, Briefwaage
Moose sind als Wasserspeicher in Wäldern sehr wichtig. Sie können bei Regen das sechs- bis siebenfache ihres Gewichtes an Wasser speichern und geben das Wasser dann langsam wieder an den Boden ab. Die Moose erfüllen eine wichtige Funktion für den Wald, indem sie das Wasser zurückhalten und lange zur Verfügung stellen. Auch die Überschwemmungsgefahr wird dadurch verringert.
Füllen Sie einen kleinen Becher halb voll mit Wasser und wiegen Sie ihn auf der Briefwaage. Danach geben Sie das Moos hinein, lassen es sich mit Wasser vollsaugen und nehmen es wieder heraus. Anschließend wird der Becher erneut gewogen und somit die Menge an Wasser ermittelt, die das Moos aufgesogen hat. Zum Vergleich können Sie dasselbe auch mit anderen getrockneten Materialien aus der Natur durchführen (Gras, frische Blätter, Steine, Laub, Holz) und danach die Ergebnisse vergleichen.

Ergänzungen
    • Für die jüngeren Kinder: Vom Vorteil klein zu sein.
      Robin Wall Kimmerer schreibt über die Miniaturwelten der Moose und das Kleinsein:
      ”Klein zu sein bedeutet aber keineswegs, erfolglos zu sein. Unter biologischen Gesichtspunkten sind Moose nämlich erfolgreich: Sie bewohnen so gut wie jedes Ökosystem der Erde und belaufen sich auf 22 000 verschiedene Arten. So wie meine kleine Nichte kleine Orte zum Verstecken findet, können Moose in den diversesten Mikrogemeinschaften leben, in denen groß zu sein ein Nachteil wäre. Ob in den Rissen des Bürgersteigs, auf den Ästen einer Eiche, auf dem Rücken eines Käfers oder am Rand einer Klippe – Moose können all die kleinen Leerräume zwischen größeren Pflanzen füllen. Weil sie wunderbar an ein Leben in der Miniatur angepasst sind, ziehen Moose größte Vorteile aus ihrem Klein-Sein und wachsen nur auf eigene Gefahr über sich heraus. “ (In: Das Sammeln von Moos. Matthes & Seiz, Berlin 2023, S. 29)
      Die Kinder überlegen, wann es noch hilfreich ist, klein zu sein.
    • Kinder und Jugendliche: Die Kinder befragen Ihre Großeltern oder andere nahestehende Menschen über Pflanzen, die sie lieben, warum sie sie lieben, wo sie zu finden sind, wie sie gepflegt werden und wofür sie genutzt werden.
    • Die Kinder versuchen, eventuell in Gruppen, herauszufinden wofür Moose wichtig sind: für Menschen, für Tiere, für Ökosysteme (Versorgung von Wunden, Polsterung, zum Auffangen von Menstruationsblut, als Wasserspeicher, … )

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