Kloertext – Sorgearbeit fairteilen

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Kloertext  Lëtzebuerger Journal vom 27.02.2020 von Isabelle Schmoetten

Sorgearbeit fairteilen

An diesem Samstag wird in Luxemburg erstmalig der Equal Care Day gefeiert. Ein Tag, der die Berufe der Care-Arbeit in den Vordergrund stellt und den Arbeitskräften die Sichtbarkeit schenken möchte, die ihnen eigentlich längst zustehen sollte. Warum dieser Tag so wichtig ist erklärt Isabelle Schmoetten vom „Centre d’Information et de Documentation – Fraen an Gender“.

„Putzen, waschen, kochen, pflegen, erziehen, trösten, sorgen sind Teil der sogenannten Care-Arbeit. Überall wo Menschen zusammenleben fällt Care-Arbeit an. Ohne dieses Kümmern wäre die Gesellschaft am Ende. Wenn niemand sich mehr kümmert, gibt es auch keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt mehr. Und doch erfährt diese Arbeit nur wenig Respekt und Wertschätzung, findet oft unsichtbar und unter schwierigen Bedingungen statt, im bezahlten wie im unbezahlten Rahmen. Wir Menschen sind alle von Care-Arbeit betroffen: aktiv, wenn wir den Abwasch machen, als Pflegerin arbeiten oder ein Kind erziehen; passiv, wenn wir im Krankenhaus versorgt werden, jemand anderes unseren Dreck weg macht oder jemand sich unsere Sorgen anhört. Aber Care-Arbeit ist nicht gerecht verteilt. Frauen leisten weltweit viermal mehr Sorgearbeit als Männer. In Luxemburg immerhin noch zweimal so viel. Das hat zur Folge, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten und daher insbesondere im Rentenalter stärker von Armut bedroht sind. Außerdem haben diese Frauen weniger Freizeit und weniger Zeit für die persönliche Entwicklung. Außerdem leiden nicht wenige unter dem sogenannten ‚mental load‘, der Organisation und Planung der Haus- und Familienarbeit.

Die ungleiche Verteilung verläuft aber nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern auch zwischen armen und wohlhabenden Haushalten, zwischen luxemburgischen Frauen auf der einen Seite und Migrantinnen und Grenzgängerinnen auf der anderen Seite. Die Verteilung der Care-Arbeit sagt also insgesamt viel über den Zustand der Gesellschaft aus.

Um auf die ungerechte Verteilung und die mangelnde Anerkennung von Care-Arbeit hinzuweisen findet am 29. Februar der erste Equal Care Day in Luxemburg statt. Der Fokus liegt dabei auf der bezahlten Reinigungsarbeit. Über 11.000 Frauen sind in Luxemburg im Reinigungssektor angestellt. Sie nennen sich selbst ‚die Unsichtbaren‘ und vergleichen ihre Arbeitsbedingungen mit moderner Sklaverei. Am 28. Februar wird deshalb um 18.30 in der ‚Chambre des Salariés‘ eine Konferenz stattfinden, bei der ihre Erfahrungen und Forderungen im Mittelpunkt stehen. Am Equal Care Day, den 29. Februar, treffen sich circa 100 Frauen, um gemeinsam Forderungen zu erarbeiten, um ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern.

Am 7. März findet in diesem Rahmen auch der erste nationale Frauenstreik statt. Gefordert wird eine gerechte Verteilung von Sorgearbeit und somit mehr Zeit, mehr Geld und mehr Respekt. Alle Frauen sind zum Streik aufgerufen, die Solidarität der Männer ist erwünscht. Besonders sollen außerdem Frauen sichtbar werden, die normalerweise vergessen oder ignoriert werden, wie zum Beispiel women of colour oder die Frauen aus dem Reinigungssektor. Treffpunkt ist am 7. März um 15.00 auf der Place d’Armes. Alle Informationen erhält man auf der Internetseite: www.fraestreik.lu“

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