Frauen*streik 2022

[Allemand]

Frauenstreik 2022

(is/cs) Bei strahlender Sonne haben sich am 8. März gegen 17:00 Uhr mindestens1.500 Menschen am Bahnhof versammelt um gemeinsam und solidarisch für eine faire, inklusive und gleichberechtigte Gesellschaft zu demonstrieren. Wir freuen uns, dass 2022 noch mehr Menschen als im Vorjahr dem Aufruf der Plattform JIF gefolgt sind.
Ein Streik, der fast nicht in seiner geplanten Form stattgefunden hätte: Bei der formalen Anmeldung unserer Demo bei der Stadt Luxemburg sind wir unerwartet auf Widerstand gestoßen. Der Grund: Wir wurden auf die zu dem Zeitpunkt geltende Regelung verwiesen, dass Demonstrationen nur in einem festgelegten Rahmen genehmigt würden. Dies beinhaltete, dass Demonstrationen auf eine vorgeschriebene Route außerhalb des Zentrums begrenzt wurden.

Diese Regelung war die Antwort auf vorangegangene Ausschreitungen während Demonstrationen, die sich gegen Maßnahmen und Regelungen im Bezug auf den Umgang mit der sanitären Situation richteten.
Mit Verweis auf die Einschränkung des Demonstrationsrechts für alle, aufgrund des Fehlverhaltens weniger, hat sich die Plattform JIF öffentlich für das Aufheben des Perimeters eingesetzt. Mit Erfolg: Unser Engagement hat zu der generellen Aufhebung des Perimeters geführt, so dass wir am 8. März auf unserer geplanten Route demonstrieren konnten.

In Angesicht des aktuellen Krieges in Europa zwischen Russland und der Ukraine, hat sich die Plattform JIF mit dem Banner « Feminists against War » für ein öffentliches Solidaritätsbekenntnis entschieden. In der ersten Reihe haben die jungen Aktivistinnen Camila Gonzalez Rincon und Lisa Ewen gemeinsam mit den Feministinnen der zweiten Frauenbewegung Colette Kutten, Maddy Mulheims, Paca Rimbau Hernandes und Danny Gaasch unsere Haltung nach außen sichtbar gemacht.

Zwei Jahre nach dem Beginn der Pandemie stellen wir fest, dass sich bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern nicht nur gefestigt, sondern zusätzlich verschärft haben. Auch wenn wir alle von den Folgen der sanitären Krise betroffen sind, sind die Konsequenzen nicht für alle gleich . Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, zu denen überwiegend Frauen*, queere Menschen und nicht-weiße Personen zählen, sind überdurchschnittlich von den negativen Konsequenzen sanitärer, politischer und sozio-ökonomischer Krisen betroffen. In diesem Sinne hat sich die Plattform JIF dazu entschieden, die Forderungen aus dem Jahr 2021 ein weiteres Mal aufzugreifen und im Hinblick auf verschärfte geschlechtsbedingte Ungleichheiten erneut zu beleuchten. Auch dieses Jahr streiken wir für einen fairen Lohnausgleich, eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit, die automatische Anerkennung der Elternschaft von lesbischen Paaren, die Einführung eines dreimonatigen Geburtsurlaubs für den Co-Elternteil und das Recht auf bezahlbaren Wohnraum.
Allerdings hören wir an dieser Stelle nicht auf: zusätzlich haben wir dieses Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Bekämpfung geschlechtsbedingter Gewalt gelegt. In vollem Bewusstsein, dass es sich hier um ein komplexes Themengebiet handelt, haben wir uns auf vier wichtige Aspekte fokussiert. Wir fordern:

• Die gesetzliche Definition von Femiziden und die Einführung eines Klassifikationssystems für den geschlechtsbedingten Mord.
• Die juristische Anerkennung von sexualisierter und psychologischer Gewalt.
• Die juristische Nachverfolgung und Aufzeichnung von gynäkologischer Gewalt, sowie die Einführung einer neutralen Beschwerdeinstitution für Betroffene.
• Die Nachverfolgung sexistischer und geschlechtsbedingter Gewalt gegenüber queeren Menschen und LGBTIQ+-Personen.

Für eine nähere Auseinandersetzung verweisen wir auf die Website www.fraestreik.lu. Diese beinhaltet eine genauere Erläuterung unserer einzelnen Forderungen.

Um bereits im Vorfeld unsere Forderungen in den öffentlichen Raum zu tragen, hat die Plattform JIF monatlich öffentliche Treffen organisiert, in denen gemeinsam über unsere Anliegen reflektiert und diskutiert wurde. Ziel dieser Treffen ist es, in einen direkten Austausch zu treten, Menschen für feministische Anliegen zu sensibilisieren und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten auszuloten .

Der dritte nationale Frauen*streik wurde organisiert von der Plattform JIF. Die Plattform JIF ist ein Zusammenschluss von feministischen Vereinen, Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und engagierten Einzelpersonen.

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